GoldenEye

GoldenEye CD
Eric Serra
Virgin 7243 8 41048 2 5
1995
*

Ich will auf diesen Webseiten nicht nur gute Filmmusik empfehlen, sondern auch vor schlechter warnen. "GoldenEye" fällt in letztere Kategorie. 1995 sah die Welt nach langer Pause die Rückkehr von James Bond in die Kinosäle, und sie sah, wie Bond dabei musikalisch unterging. Was Eric Serra hier abgeliefert hat, ist schlicht eine Zumutung. In all den Jahren seit dem ersten Bond-Film ist auch eine bestimmte Art von Musik zum festen Bestandteil der Reihe geworden, geprägt durch John Barry, der die meisten Bond-Abenteuer vertonte. Dies scherte Serra nicht, der (leider) seinen eigene Sicht von der musikalischen Untermalung eines Bond-Filmes hatte.

"GoldenEye" fährt die ganze Palette an elektronischer Musik auf; gräßliche Synthesizereffekte und obskure Sprachsamples beleidigen den Hörer. Das James-Bond-Thema wird äußerst selten eingesetzt, stattdessen werden wir mit Serras Klangexperimenten zugedröhnt. Ist der erste Titel "GoldenEye Overture" (Vortitelsequenz) noch recht erträglich, kommt einem spätestens beim nachfolgenden Stück das kalte Grausen (insbesondere, wenn die Musik zur entsprechenden Szene des Filmes gesetzt wird). Wenn mal ein Orchester zum Einsatz kommt, gibt's nur schmalzige Liebesleieren. Doch nicht nur das, am Ende verwöhnt uns der Komponist noch mit seinen Sangeskünsten, die verzweifelt nach dem "Eject"-Knopf des CD-Spielers suchen lassen. Serras "Musik" mag für sich genommen durchaus wertig sein (ich will mir hier ein Urteil in dieser Hinsicht ersparen, da ich in bezug auf diese Art von elektronischer Musik nicht vorurteilsfrei bin), doch als Score eines James-Bond-Filmes ist sie schlichtweg ungeeignet, mehr sogar, geradezu beleidigend.

Es mag ein Versuch gewesen sein, James Bond auch musikalisch an die 90er anzupassen, doch dieser Versuch ging deutlich nach hinten los (wie ein traditioneller Orchesterscore mit modernen Elementen zu kombinieren ist und auch ein ansprechendes Ergebnis herauskommt, hat David Arnold im nachfolgenden Bond "Tomorrow Never Dies" bewiesen). Dieser Meinung mögen auch die Produzenten gewesen sein, denn immerhin wurde die Panzerverfolgung durch St. Petersburg von Dirigent John Altman neu vertont (*so* muss ein 007-Soundtrack klingen!). Die CD lohnt nur wegen Tina Turners Titelsong, der wunderbar mit den Traditionen alter Bond-Titellieder in Einklang steht (und mit dem Eric Serra nichts zu tun hatte).


  1.  GoldenEye (Tina Turner)
  2.  The GoldenEye Overture: Half of Everything Is Luck/The Other Half Is Fate/For England, James
  3.  Ladies First
  4.  We Share the Same Passions: The Trip to Cuba/The Same Passions
  5.  A Little Surprise for You: Xenya/D.M. Mychkine
  6.  The Savernaya Suite: Among the Dead/Out of Hell/The Husky Tribe
  7.  Our Lady of Smolensk
  8.  Whispering Statues: Whispers/Two Faced
  9.  Run, Shoot, and Jump
  10.  A Pleasant Drive in St. Petersburg
  11.  Fatal Weakness
  12.  That's What Keeps You Alone
  13.  Dish out of Water: A Good Squeeze/The Antenna
  14.  The Scale To Hell: Boris and the Lethal Pen/I Am Invincible
  15.  For Ever, James
  16.  The Experience of Love (Eric Serra)

Gesamt: 54:23

Kritik © 1999 Alex Klutzny
Cover und Musik © 1995 Virgin Records

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