Titanic

Titanic CD
James Horner
Sony Classical SK 63213
1997
*****


Okay. Der erfolgreichste Soundtrack aller Zeiten. Hierzu will ich es mir nicht nehmen lassen, auch ein paar Worte zu verlieren. Zu sagen, daß Komponist James Horner in Filmmusikkreisen umstritten ist, wäre eine Untertreibung. Hauptvorwurf gegen ihn: Er klaue von anderen Komponisten und recycle seine eigene Musik (oder seine geklaute Musik) immer und immer wieder. Nun, es stimmt. Fairerweise muß gesagt werden, daß praktisch jeder Filmmusikkomponist sich hier und da von seinen eigenen Werken hat inspirieren lassen. Horner aber ist ein Extremfall. Es gibt kaum eine Komposition von ihm, die nicht frührere Werke zitiert. Und hier geht's nicht um Stil! Horner scheint einfach faul zu sein. Auch "Titanic" weist musikalische Selbstzitate auf. Aber ich muß gestehen, daß ich die meisten Horner-Elemente liebe und ihn trotz allem schätze, einige meiner Lieblingskompositionen stammen von ihm (wenigstens verwendet er oft die guten Sache wieder ;-) ). Gut, die Fronten sind geklärt, also zu "Titanic".

Im wesentlichen besteht der Soundtrack aus vier Teilen. Da ist das ruhige, edle Hauptthema, sehr schön mit der Stimme von Sissel interpretiert, das den Kern des Albums ausmacht und die CD eröffnet und abschließt. Sehr prominent auf drei Tracks vertreten ist das frohe, vom Chor getragene Happy-Ship-Thema. Dann wäre da Roses Thema, jedem bekannt aus "My Heart Will Go On", eine liebliche, sanfte Melodie. Schließlich gibt's dann noch Horner-typische Action-hau-drauf-Klavier-Crashes und Schlagwerkattacken; um Wasser auf die Mühlen der Horner-Hasser zu geben: "Courage under Fire" läßt hier schön grüßen. Das Album hat generell einen sehr guten Klang, wie bei allen Soundtracks, die Shawn Murphy aufgenommen hat. Klar und detailreich, gute Dynamik und netter Baßanteil für die Actionsequenzen des Untergangs.

Für einen Teil des Orchesters gilt das Qualitätsurteil aber nicht, der Chor der "Southampton"-Sequenz bzw. des Happy-Ship-Themas stammt aus einem furchtbar billigen klingenden Synthesizer, dem meine Wavetablekarte im Computer gefährliche Konkurrenz macht. Schade eigentlich, das hätte nicht sein müssen. Ein dicken Minuspunkt gibt es für die Zusammenstellung der CD: Zwei der wichtigsten Stücke, wie ich finde, fehlen. Dies ist zum einen das wunderschöne Klaviersolo von Roses Thema (die Zeichenszene), zum anderen der mit einem schicksalsschweren Chor begleitete Höhepunkt der Actionmusik. Dafür hätte man lieber ein, zwei redundante Tracks entfernen sollen. Zum Glück sind diese Titel auf der Nachfolge-CD "Back to Titanic" enthalten.

Den Erfolg des "Titanic"-Soundtracks erkläre ich mir übrigens nicht durch die Güte Horners Musik, sondern durch die Popularität des Filmes. Die CD diente als Erinnerung an den Kinobesuch und ermöglichte es, zu Hause Leonardos Heldentum noch einmal mit allen Emotionen zu durchleben, und die Dreingabe von Celine Dions "My Heart Will Go On" wird für den Absatz nicht unerheblich gewesen sein. Wie auch immer, Kritik hin oder her, mir gefällt's (nicht unerheblich hierfür ist, daß Horners Musik im Film exzellent wirkt). Allein wegen der historischen Bedeutung in der Soundtrack-Geschichte hat sich die CD einen Platz im Musikregal verdient.


  1.  Never an Absolution (3:03)
  2.  Distant Memories (2:23)
  3.  Southampton (4:01)
  4.  Rose (2:52)
  5.  Leaving Port (3:26)
  6.  "Take Her to Sea, Mr. Murdoch" (4:31)
  7.  "Hard to Starboard" (6:52)
  8.  Unable to Stay, Unwilling to Leave (3:56)
  9.  The Sinking (5:05)
  10.  Death of Titanic (8:26)
  11.  A Promise Kept (6:02)
  12.  A Life So Changed (2:13)
  13.  An Ocean of Memories (7:57)
  14.  My Heart Will Go On (Love Theme from 'Titanic') [Celine Dion] (5:10)
  15.  Hymn to the Sea (6:25)

Gesamt: 72:22

Kritik © 1999 Alex Klutzny
Cover und Musik © 1997 Sony Music Entertainment

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